Freitag, 1. September 2017

Teurer Irrtum

Meine Großmutter war skeptisch gegenüber Billigangeboten. „Was nichts kostet, ist nichts“, pflegte sie zu sagen. In puncto Wein hätte sie damit allerdings Unrecht gehabt. Wissenschaftler der Universität Bonn haben herausgefunden, dass wir auf ein sogenanntes Marketing-Placebo hereinfallen: „Der Tropfen ist teuer? Dann muss er ja gut sein“ Verantwortlich dafür ist  unser Belohnungssystem im Gehirn. Das wird bei höheren Preisen deutlich lebhafter aktiviert und verstärkt so das Geschmackserlebnis. Zum Nachweis hatten die Forscher Versuchspersonen, die im Kernspintomografen lagen, Wein zur Verkostung gegeben. Die Qualität war immer dieselbe, nur der vermeintliche Preis schwankte zwischen 3 € und 18 €. Wie erwartet gaben die Probanden an, dass der teurere Wein besser schmeckt. Dabei zeigten die Aufnehmen im Kernspintomografen, dass bei höherem Preis die für Belohnung und Motivation zuständigen Gehirnareale besonders aktiv waren. Erinnern Sie sich an den arroganten Ausspruch des ehemaligen Kanzlerkandidaten Steinbrück, ihm käme kein Wein unter 5 € über die Zunge? Offenbar ist er nur ein Opfer des Marketing-Placebo-Effekts.    

Sonntag, 20. August 2017

Erlesen!

Für mich gibt es nichts Schöneres als ein gutes Buch, wie man unschwer auf meinem Rezensionsblog wlodarek-rezensionen.blogspot.de  erkennen kann. Von daher hätte ich nie geglaubt, dass Lesen auch eine Strafe sein kann. Aber tatsächlich ist das der Fall - jedenfalls aus der Sicht des Münchner Landgerichts. Dort verurteilte eine Jugendrichterin kürzlich einen jungen Mann zu 20 Stunden Lesen. Der 19jährige hatte trotz Verwarnung das Nummernschild an seinem Motorrad nicht so angebracht, dass man es lesen (!) konnte. Deshalb wurde er nun zum Lesen verdonnert. Die erzieherische Maßnahme sollte ihn motivieren, „sich auf intellektueller Ebene noch einmal mit der Tat auseinander zu setzen.“  Er durfte sich aus einem Katalog guter Bücher ein Exemplar aussuchen, das ihn interessierte. Zur Kontrolle musste er am Ende eine Abschlussarbeit über seine Lektüre abgeben.

Ich finde diese Strafe genial. Sie sollte viel öfter ausgesprochen werden. Bei den vielen kleinen Sünden, die vor Gericht kommen, wären wir dann am Ende wieder das Volk der Dichter und Denker.


Samstag, 12. August 2017

Lazy Day

Am 10. August konnte man ein besonderen Gedenktag begehen: Den „Tag der Faulheit“. In den USA kennt man ihn als „National Lazy Day“. Eigentlich ist das gar keine schlechte Idee, wenigstens einmal im Jahr offiziell so richtig nichts zu tun, bis die Langeweile kommt. Das könnte sich im Nachhinein als ein besonders kreativer Tag erweisen. Unser Gehirn braucht nämlich Ruhezeiten, um Erfahrungen einzuordnen und Gelerntes zu verankern. Passiv sind wir dabei trotzdem nicht. Denn währenddessen ist eine Hirnregion aktiv, die man als „Ruhezustandsnetzwerk“ (Default Mode Network) bezeichnet. Neurowissenschaftler haben festgestellt, dass es unter anderem für Kreativität und Selbsterkenntnis zuständig ist. Es arbeitet, wenn wir nichts tun. Sich Muße zu gönnen oder sich Tagträumen hinzugeben, ist also keineswegs Zeitverschwendung. Im Gegenteil, es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass uns gerade dann die besten Ideen kommen. Das muss übrigens nicht unbedingt der 10. August sein.

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Freitag, 28. Juli 2017

Regenradar


Das soll ein Sommer sein? Wir Hamburger sind ja einiges gewohnt, aber so viel Regen im Juli zieht sogar uns die Gummistiefel aus…äh...an. Selbst das Hamburger Abendblatt fühlt sich aufgerufen, eine Regen-Typologie zu veröffentlichen. Damit auch alle, die in anderen Regionen ähnlich leiden, den Niederschlag einordnen können, kommt hier eine Kurzbeschreibung:

Dauerregen – Der Voluminöse: Innerhalb von 24 Stunden kommen 30 Liter Wasser oder mehr herunter. Die Folgen sind Überschwemmungen und lokales Hochwasser.
Nieselregen – Der Harmlose: Er wird auch Sprühregen genannt. Er bildet sich in niedrig hängenden Wolken oder Hochnebel. Wachsen die Tröpfchen in der Wolke auf mehr als 0,5 Millimeter Durchmesser, sind sie zu schwer und nieseln zur Erde.
Starkregen – Der Wuchtige: Er beginnt ab 20 Liter Wasser pro Stunde. Große Mengen lassen die Keller volllaufen. Und wer ungeschützt darein gerät, hat schnell sehr nasse Füße.
Gewitterregen – Der Unberechenbare: Ein Zeichen für sein Aufkommen sind die  dunklen Gewitterwolken. In ihnen geht es hoch her. Verwirbelungen der Aufwinde laden die Wassertröpfchen elektrisch auf, es kommt zu Entladungen in Blitzen. Wenn Eiskristalle in die Auf- und Abwinde geraten, entstehen Hagelkörner.
Sie fragen sich noch, warum man von „Niederschlag“ spricht? Ganz einfach: Weil so ein Wetter im Sommer niedergeschlagen macht.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Großzügig

Wusste ich es doch: Großzügigkeit macht glücklich! Dabei muss es sich nicht einmal um spektakuläre Geschenke oder Geldgaben handeln. Großzügig ist es auch, wenn wir jemandem, der es eilig hat, den Vortritt an der Supermarktkasse lassen, über einen Fauxpas elegant hinwegsehen, aus Liebe mal zurückstecken oder der netten Bedienung ein Trinkgeld geben, dass sie strahlen lässt. 
Dass großzügige Handlungen tatsächlich im Gehirn Glücksgefühle auslösen, belegten jetzt WissenschaftlerInnen der Universität Lübeck. Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) stellten sie bei großzügigen Personen eine erhöhte Aktivität in dem Bereich fest, der für Glücksgefühle zuständig ist.  

In diesem Sinne sollten wir häufiger für unser Glück sorgen – dann haben auch andere etwas davon.  

Sonntag, 9. Juli 2017

G20 - eine Überlegung

Von einem Bekannten aus den USA bekam ich eine Mail, in der er sich nach meiner Einschätzung der Vorgänge zu dem G20 Gipfel erkundigte. Hier meine Antwort zu den Erfahrungen der letzten Tage, die uns Hanburger immer noch bewegen:
 
Lieber Mr. H.
vielen Dank für Ihre Mail. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie und Ihre Frau als Hamburg-Liebhaber und -kenner die Ereignisse besorgt verfolgt haben. In den USA sind vermutlich vor allem die Bilder vom Treffen Trump-Putin und von den Krawallen angekommen?
Sie fragen mich nach meiner Meinung, die natürlich ganz subjektiv ist.

Ich muss gestehen, dass ich zu dem Gipfel in Hamburg zwei Seelen in der Brust habe.
 Als Psychologin weiß ich, wie wichtig eine direkte Kommunikation ist. Persönlicher Austausch ist wesentlich effektiver als jede andere Art des Kontaktes. Mimik, Körpersprache, Wortwahl im Gespräch enthalten weitaus mehr Informationen als ein Telefonat.   Von daher finde ich es sehr wichtig, dass sich die WeltführerInnen sehen und mit einander sprechen - und wenn es noch so aufwändig und teuer ist. Zumal ja auch hinter den Kulissen die sogenannten Sherpas Verhandlungen führen.
Bei tausenden von Unterhändlern und  4000 Journalisten muss auch die Infrastruktur gegeben sein, also eine Verlagerung aufs Land ist damit nicht möglich.
Aber musste es Hamburg sein??
Ich halte die Wahl des Ortes für unüberlegt. Offenbar hat man dabei nur an Werbung, und Renommee für die Stadt und kommerziellen Gewinn (Hotelbelegung etc.) gedacht.

Nachdem die EinwohnerInnen Olympia abgelehnt hatten, wurde G 20  jetzt über ihre  Köpfe hinweg beschlossen. Und das offenbar recht blauäugig.
Im Internet hatten die Linksradikalen diverser Länder schon Gewaltbereitschaft angekündigt.  Diesem Vorsatz mit Vernunft zu begegnen, ist ziemlich sinnlos, wie sich gezeigt hat. Wer die Auseinandersetzung sucht, nimmt jeden Vorwand, um das umzusetzen, egal, wie sich die Polizei verhalten hätte. Es war geplant.

Das Areal für G20 lag mitten in der Stadt. Von daher kann man sich an fünf Fingern abzählen, was da passiert..
Das Ausmaß der Zerstörungswut war gewaltig. Über die psychischen Hintergründe kann ich nur spekulieren.: Es sind junge Männer, die offenbar keine andere Form der Herausforderung kennen. Sie kommen mit Frieden und Demokratie nicht zurecht. Die "Schlachten" geben ihnen das Gefühl von Intensität, Wichtigkeit und Gruppenfeeling.  Sie agieren eine diffuse Wut aus. Das ist keine Entschuldigung, nur der Versuch einer Erklärung

Eine deutliche Kritik möchte ich gegenüber den Medien, vor allem dem TV, aussprechen! Wie schon bei Terroranschlägen wurden die Untaten übermäßig gehyped. Immer wieder lag der Fokus auf den Krawallen und das perfide Motto "Welcome to Hell" wurde ständig wiederholt. Mediale Aufmerksamkeit facht das Feuer doch nur noch an! Eine sachliche Nachricht und im übrigen mediales Ignorieren wäre wichtig gewesen.  So aber bekamen die Zerstörer viel zu viel Aufmerksamkeit. Die friedlichen Demonstrationen und sachlichen Inhalte von Protesten verschwanden dagegen. Sie hätten mehr Raum gebraucht und verdient.

Wenn Sie jetzt ein Fazit von mir haben möchten, dann kann ich nur sagen: Es ist eine Erfahrung. Ich glaube, dass Hamburg von seinem Charakter als Stadt für G20 nicht geeignet war. Es ist eben doch die Stadt der Elbphilharmonie und des Hafengeburtstags. Das weitläufigere und vergleichsweise "raue" Berlin hätte besser gepasst.

Ich hoffe, Sie können mit meinen Überlegungen von "vor Ort" etwas anfangen.
Mit herzlichen Grüßen an Sie und Ihre Frau

Eva Wlodarek

 

Montag, 3. Juli 2017

Die spinnen doch!

Vermutlich haben Sie auch schon diese kleinen bunten Dinger gesehen, die aussehen wie eine Mischung aus Propeller und Radkappe? Inzwischen gibt es sie an jedem Kiosk. Auf der Straße spielen Kids ständig damit herum, etwa an der Bushaltestelle. Der Hype für diese Mini-Drehscheiben kommt aus den USA und nennt sich Fidget Spinner. "To fidget" heißt so viel wie "herumzappeln", "spinnig" bedeutet "drehen, schleudern". Man hält die Zappelschleuder zwischen Daumen und Zeigefinger und gibt ihr Schwung. Dann balanciert man sie auf einer Fingerspitze. Geschickte Spinner lassen sie auf den anderen Zeigefinger wandern oder übertragen sie auf einen Mitspieler.. 
Was das bringt? Dazu muss unbedingt eine wissenschftliche Erklärung her: Das Teil soll eine beruhigende Wirkung auf von ADHS-geplagte Kinder haben, ist also ein Anti-Zappelmedium für Zappelphilippe. Nun ja...
Vor Jahren gab es ein ähnliches Phänomen namen "Tamagochi"  Das Tamagochi war ein virtuelles Küken, um das man sich wie um ein echtes Haustier kümmern musste. Es wollte schlafen, essen, trinken und Aufmerksamkeit. Zu unterschiedlichen Zeiten meldete es sich mit Pieptönen und verlangte nach der Zuwendung seines Besitzers. Vernachlässigte man es, dann starb es. Allerdings ließ es sich durch Drücken eines Reset-Knopfes wiederbeleben. Fast alle Kinder in der Kita unseres Sohnes hatten eins, und ich konnte ihn nur mit Mühe davon abhalten, seinTaschengeld für diese piepende Nervensäge auszugeben. Die wissenschaftliche  Erklärung seinerzeit lautet: So lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen.
Wer Spaß an Schnickschnack hat - ok. Aber auf eine pseudowissenschaftliche Überhöhung dürfen wir gerne verzichten.